Roller/Scooter für große Menschen

Als Mann mit 193 cm Körpergröße und einem derzeitigem Gewicht von 140 Kilogramm wollte ich ein paar Roller/Scooter Probefahren und habe mir ein paar Roller für ein Wochenende gemietet um diese zu testen. Weitere Anforderung war, das ich meine Freundin mitnehmen kann, also sollte der Roller auch ausreichend Platz für den Sozius bieten. Gefahren habe ich den Yamaha X-MAX 300, Piaggio Vespa 300GTS, BMW C400GT und Piaggio Beverly 350. Außer Konkurrenz fuhr ich noch die Honda X-ADV und die Dutacti Hypermotard 950 SP.

Prolog

Zuletzt fuhr ich eine KTM Superduke 990cm die ich vor fünf Jahren verkauft habe. Power und Sportlichkeit der Maschine animierten immer richtig zum Gas geben, daher fand ich sicherer Motorradbekleidung als notwendig. Lederkombi fiel bei meinem damaligen 130 Kg flach, daher entschied ich mich für eine Textil Kombi Gore Tex von Rukka, mit Protektoren in Schulter, Ellbogen, Knie und Rücken. Gute Wahl, denn ich habe mich zweimal hingelegt. Als langjähriger Autofahrer habe ich zu feste auf die Fußbremse gedrückt, wenn ich in der Kurve zu schnell war, dann blockierte mein Hinterrad und das Motorrad rutschte weg. Bin zu lange Autofahrer, da ist man es gewohnt mit dem Fuß zu bremsen und das geschieht dann eher automatisch. Daher habe ich am Anfang auch nicht begriffen, warum ich weggerutscht bin. Eine Clavicula Fraktur (Schlüsselbeinbruch) versaute mir die erste Motorrad Saison mit der KTM Superduke, nach ca. 6 Wochen.

Clavicula Fraktur - Schlüsselbeinbruch

Diebstahl und Ärger

Im Winter war meine KTM Superduke in der Tiefgarage bei einem Freund. Im Sommer stand sie vor dem Haus mit einer Plane abgedeckt. Das animierte Diebe mir Bremshebel und Kupplungshebel vom Lenker zu stehlen, dabei wurden die Leitungen und Züge mit einer Zange durchgeschnitten. Der Schaden ca. 1000 Euro bei 500 Euro Selbstbeteiligung (Teilkasko) und die KTM musste mit dem ADAC in die Werkstatt geschleppt werden. Die Nächte danach schlief ich mit offenem Fenster, denn ich hatte Angst dass die Diebe wieder kommen.

Roller oder Motorrad

Das was wir als Roller/Scooter bezeichnen hat meist 50-300 ccm Hubraum und 4-32 PS. Dazu gehören kleinere Räder, Trittbretter für die Füße statt Fußrasten, ein Staufach für die Helme unter der Sitzbank und statt Kupplung mit Schaltgetriebe ist hier meist eine Variomatik verbaut.
Das Motorrad hat dann mehr PS, einen größeren Motor, der von den Beinen des Fahrers umschlossen ist, was als Beinschluss bezeichnet wird. Mehr PS bedeutet auch einen Kupplung mit Kette zur höheren Kraftübertragung, ein stärkeres Bremssystem und bessere Dämpfer. Anders Formuliert ist ein Roller ein abgespecktes Motorrad mit kleinen Reifen und Kofferraum. Nur durch den wesentlich kleineren Motor ist das Staufach (Helmfach) unter der Sitzbank möglich. In der Stadt fährt sich der Roller unheimlich komfortabel durch seine Automatik und bietet die Möglichkeit den Helm oder einen Einkauf zu transportieren.

Warum ich einen Roller will

Wenn ich mit einem großem Motorrad unterwegs bin, brauche ich alleine 10-15 Minuten um mich anzuziehen. Schutzhose, Motorradstiefel, Funktionsunterwäsche, Rückenprotektoren, Jacke, Handschuhe und Helm. Sollte alles sein, wenn man sportlich fährt. Aber wenn ich mal eben zur Bank fahren will, habe ich dann das Motorrad meist stehen lassen, da mir der Aufwand dafür zu groß war. Habe dann immer das Auto genommen. Wenn ich abends etwas mit der Freundin Essen gehen wollte, hatte ich auch keine Lust auf den ganzen Schutzkrempel. Da kam die Idee, mit dem Roller. Da der Roller weniger PS hat fährt man nicht mehr wie ein Henker und das Staufach hilft bei der Fahrt zum See. 50 ccm Roller sind was für die Distanz von bis zu 10 Kilometern, ansonsten ist man ewig unterwegs und Autobahn fahren ist auch nicht möglich. Wer mehr Strecke fahren will sollte schon zu einem 125 ccm Roller greifen. Da ich groß und übergewichtig bin, dann doch lieber gleich 250-400 ccm als Roller, denn ich will ja auch noch die Freundin mitnehmen können.

Leihen oder Kaufen

Ein Roller für große Menschen finden ist aber nicht so einfach, so kam ich von der ersten Probefahrt zur Idee mit dem mieten, da kann man ausgiebig testen ob alles passt. Wenn man bis zu 10 x im Jahr cruisen will und dabei verschiedene Roller Modelle ausprobieren will, dann ist leihen eine gute Alternative, für jemanden der weniger fährt erst recht. Wochenende Roller leihen im Rollerparadies Köln hat mich 177 Euro gekostet mit 600 km frei, von Freitag bis Montag. Beim Stute-Hengst in Köln habe ich 150 Euro bezahlt im Special Tarif für Samstag bis Montag mit 300km frei. Wer kauft, hat folgende Kosten: Anschaffung, Wertverlust, Steuer, Versicherung, Inspektion, Reifen, Garage und was sonst noch so anfällt. Steht der Roller das ganze Jahr vor der Tür, kommt das Risiko des Diebstahls dazu. Beim gemietet Roller ist das Risiko nur temporär und die Wahrscheinlichkeit geringer, wenn der Scooter nur 5-10 mal im Jahr vor der Tür steht.

Achtung zulässiges Gesamtgewicht

Im Forum bin ich darüber gestolpert, das die Roller oft ein relativ geringes Gesamtgewicht haben. Beispiel Yamaha X-Max 300 ca. 165 kg zulässiges Gesamtgewicht. Hoppla, Fahrer, Beifahrer und Kleidung, da liege ich wohl drüber. Fahrer 140 kg aktuell, Beifahrerin 52 kg, 2x Kleidung und Helm ca. 10 kg, macht stolze 202 Kg! Da hat auf Anhieb nur die BMW C400 GT mit 205 Kg zulässigem Gesamtgewicht einen legalen Fahrbetrieb mit mir und meiner Hübschen.

Yamaha X-MAX 300

Anfang April Yamaha Days, ab zum Händler (Yamaha Zentrum Köln) um die X-Max 400 zu testen. War leider nur die Yamaha X-MAX 300 angemeldet. Freundin hatte ich dabei und an einem sonnigen Samstag startete die Probefahrt. Soweit ich weiß hat die Yamaha das größte Helmfach, daher war sie mein Favorit. Leider waren mein Knie auf Lenkerhöhe und für enge Kurven musste ich die Knie nach außen wegklappen, sonst stieß der Lenker gegen meine Knie. Schöner Roller aber für mich Suboptimal. Sitzprobe beim X-MAX 400 und beim T-MAX brachten keine Verbesserung. Mein Sozius war vom Sitz und Platzangebot zufrieden. Hinzu kamen noch die Probleme mit dem zulässigen Gesamtgewicht.

Roller Vespa 300 GTS

Vespa 300 GTS

Die Vespa 300 GTS habe ich mir beim Rollerparadies Köln geliehen. Fast Brandneu mit nur 9 km stand die Roller Schönheit vor mir. Eine Vespa ist irgendwie der Kultroller schlechthin. Mit den kleinen Rädern fährt sie sich super Handlich im Stadtverkehr, die 22 PS machen schon ordentlich Spaß an der Ampel. Echt zum verlieben, kann verstehen, warum so viele Vespa fahren. Meine Angst mit den Knien an den Lenker zu kommen war unbegründet, es war reichlich Platz. Das kann man einem Roller nicht direkt ansehen, man muss alles Probesitzen oder besser Probefahren. Leider nörgelte meine Freundin die ganze Zeit, das sie hinter mir nicht ausreichend Platz auf der Sitzbank hatte und es gab auch nichts zum festhalten. Das Helmfach war etwas kleiner aber noch okay. Abends in der Kölner Altstadt auf Kopfsteinpflaster waren die Fahreigenschaften und der Komfort der Vespa 300 GTS am Grenzbereich. Auf der Autobahn ist der Motor etwas schwach und sie schwimmt ein wenig. Trotzdem hat die Vespa mein Herz erobert.

Roller BMW C400 GT

BMW C400 GT

Die Erwartungen waren hoch, der Kaufpreis auch. Sehr futuristisches Design was mir gefallen hat, schräge Trittbretter vorn (nur beim GT), cool zum Beine ausstrecken. Leider hätte ich meinen Sozius von der Sitzbank drücken müssen, damit ich bei 193 cm Körpergröße die Beine ausstrecken kann. Roller für große Menschen, dafür bin ich wohl etwas zu groß. Hinzu kam, das die Sitzbank beim BMW C400 GT zweistufig ist, man hat dadurch etwas Stütze im Rücken, kann aber dadurch auch nicht mehr nach hinten rutschen. Der Höhenunterschied vom Sitz zu den Trittbrettern entscheidet ob mein dicker Bauch nach oben gedrückt wird. War hier leider so, dadurch spannt die Jacke und ich fand es weniger bequem. Die Sitzposition etwa höher oder etwas weiter hinten hätte mir gut getan. Vielleicht entwickelt BMW ja mal eine verstellbare Sitzbank, das wäre der Hammer und wir großen Menschen hätten einen schönen Roller. Highlight beim BMW Roller ist das Farbdisplay und die Steuerung am Lenker über eine Art Joystick. Das Staufach unter der Sitzbank ist leider etwas zu klein geraten und es passt nur ein Integralhelm hinein, das klappt auch nur im abgestellten Zustand, da das Fach nach unten aufgeklappt (Flexcase) wird und der Roller dann nicht mehr fahren kann. Erst das Fach wieder zuklappen, dann kann wieder gefahren werden. Geliehen habe ich mir die BMW C400 GT bei Procar Automobile Köln West. Die BMW hatte auch Sitzheizung und Griffheizung, wow hatte ich gedacht, bei einer nächtlichen Heimfahrt bei 12 Grad Celsius aber gemerkt das der Hintern heiß ist aber der Rest trotzdem gefriert. Ehrlich das ist kein Highlight, an den Hintern kommt keine kalte Luft denn der Sitzt auf der Sitzbank, die ganze kalte Luft kommt von vorn, da hilft eine dicke Hose und Jacke mehr. Es gibt aber noch eine Plane die man am Roller befestigen kann um den Körper vor Fahrtwind zu schützen. Hergestellt wird der Roller übrigens in China. Ich hatte vorne ein klappern was durch Vibrationen ausgelöst wurde, ging mir voll auf die Nerven, es kam vorn vom Cockpit, das hätte ich bei BMW (Premium Hersteller) nicht erwartet. Vielleicht bekommen sie das 2020 in den Griff oder es war eben nur bei meinem Testroller.

Roller Piaggio Beverly 350

Piaggio Beverly 350

Hier gibt es eine schöne Police Edition (Brillenhersteller) in mattem schwarz von der Beverly. Leider gab es die nicht im Verleih. Auch diesmal beim Rollerparadies Köln geliehen. Hatte schon mal die Sitzprobe gemacht und für große Menschen ist die Beverly echt zu empfehlen. Das Helmfach ist auch schön groß und die Fahrleistungen sind sehr gut. 330cm befeuern diesen Roller und verleihen ihm ca. 33 PS. Meine Freundin war voll zufrieden über das Platzangebot auf dem hinteren Sitz und den Haltegriffen am Rollerheck. Irgendwie ist die Piaggio Beverly 350 mein kleiner Favorit geworden. Kein unnötiger Schnickschnack und ein gutes Platzangebot für zwei. Wir haben gleich eine Tour ins Sauerland nach Menden gemacht über Wipperfürth, Lüdenscheid und Arnsberg, sehr geile Strecke und somit gut geeignet zum testen. Besserer Federungskomfort wäre bei einigen Schlaglöchern schön gewesen, ist aber halt nur ein Roller. Die großen Roller über 500ccm haben meist bessere Dämpfung, preislich sind die dann aber oft schon genauso teuer wie ein gutes Motorrad.

Honda X-ADV

Honda X-ADV

ADV gleich Adventure, die Honda lädt zum Abenteuer ein und wird als Motorrad SUV bezeichnet. Preislich mit ca. 12 Tsd. Euro für viel keine wirkliche Alternative zum Roller, aber mit voller Motorrad Technik. Der Motor hat mit 750 ccm und 54 PS einen schönen Sound und richtig Dampf. Auf der Autobahn hatte ich mit Sozius sogar 172 km/h erreicht. War nur mal so ein Test um den Unterschied zum Roller zu spüren. Geschaltet wird hier automatisch aber mit nicht wie beim Scooter mit einer Variomatik, sonder mit einem richtigem DSG Getriebe, man merkt wie die einzelnen Gänge eingelegt werden. Man kann am Lenker auch die Gänge manuell mit der Hand rauf oder runter schalten. Auch mit der Honda X-ADV haben wir die Tour in das schöne Sauerland gemacht. Den Fahrmodus musste ich dabei von Touring in Sport 1 schalten, dann dreht der Motor höher und schaltet nicht immer direkt in den 6 Gang. Das Fahrwerk war wesentlich besser als bei allen Rollern, viel mehr Komfort. Meine Freundin war mit ihrem Sozius Platz und den Haltegriffen sehr zufrieden. Das Teil macht echt Spaß. Für große Menschen auch gut geeignet, kleinere bekommen an der Ampel evtl. die Füße gar nicht komplett auf den Boden. Beim Fahren und Sitzen würde ich mir aber wieder 2-3 cm mehr Höhenunterschied von der Sitzbank zu den Trittbrettern wünschen um einen entspannten Kniewinkel zu bekommen. Beine nach vorne ausstrecken klappt auch nicht, mit 193 cm bin ich halt ein Sitzriese. Vielleicht verstellbare Trittbretter oder verstellbare Sitzbank, dann könnte man kleinen und großen Menschen gerecht werden. Das Helmfach ist auch nur für einen Helm, der größere Motor erlaubt wahrscheinlich nicht mehr Platz. Ein gewagter Typ diese Honda X-ADV, von einigen verspottet, finde ich aber dass sie echt Laune macht. Sie ist aber eher ein Motorrad mit Staufach und Trittbrettern als ein Scooter.

Ducati Hypermotard 950 SP

Ducati Hypermotard

Hat nix mit Roller/Scooter zu tun. Kein Staufach und keine Trittbretter. Automatik? Nicht vorhanden aber hier gibt es einen Quickshifter, da kann man hoch oder runter schalten ohne zu kuppeln aber nicht im Stadtbetrieb sondern erst ab 4000 rpm (UpM), dann schaltet diese aber super sauber und direkt. Ist übrigens keine Motorrad zum cruisen, sie ruckelt untertourig (unter 3500 rpm) etwas. 114 PS fordern Dich permanent auf den Gashebel nach hinten zu reißen damit die Mundwinkel wieder zu den Ohren wandern. Es ist so als ob dieser Bock binär zwischen Null und Eins bzw. Gas und Vollgas hin und her pendelt. Wer gern sportlich fährt ist mit dieser Supermoto gut aufgehoben. Geliehen habe ich das gute Stück bei Stute-Hengst in Köln (Gruß an Peter) es was das Modell Ducati Supermotard 950 SP mit dem Öhlins Fahrwerk. Schutzkleidung ist hier Pflicht, denn wenn ihr hier gas gebt, dann geht die Post ab. Warum ich keine Hypermotard 950 fahre, ich brauche halt mein Führerschein und den hätte ich mit diesem Motorrad nicht lange.

Harley fahren

1000 Punkte für eine schön gemacht Harley Davidson. Eine schöne Harley ist ein Orgasmus für die Augen, wenn ich aber Harley Fahrer sehe, die ihr Bike nur putzen und mit Teilen aufpimpen, aber dabei nur 100-500 km im Jahr fahren, dann ist das nichts für mich. Die Freude am Motorrad fahren ist eine Kurve nach der andere in Schräglage zu genießen, die Kraft des Motors bei der Beschleunigung und die Kraft der Bremsen vor der Kurve, das sind die Dinge die mir ein Lächeln in mein Gesicht zaubern.

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